| Grundsatzerklärung von ITO |
Internationale Theater der Unterdrückten-Organisation (ITO)GrundsatzerklärungPreambel1. Das Grundziel des Theater der Unterdrückten ist die Humanisierung der Menschheit. 2. Das Theater der Unterdrückten ist ein System von Übungen, Spielen und Techniken, basiert auf das essentiellen Theater, um Männer und Frauen zur Entwicklung dessen zu befähigen, was sie bereits inne haben: Theater. 4. Theater definiert sich als die gleichzeitige Existenz — im gleichen Raum und Kontext — von Schauspielern und Zuschauern. Jeder Mensch ist dazu fähig, die Situation und sich selbst in der Situation wahr zu nehmen. 5. Essentielles Theater besteht aus drei Elementen: Subjektives Theater, Objektives Theater und der Theatralischen Sprache. 6. Jeder Mensch kann schauspielen: um zu überleben, müssen wir notwendigerweise Handlungen ausführen und diese Handlungen und ihre Auswirkungen auf die Umwelt beobachten. Menschlich zu sein heisst, Theater zu sein: die Koexistenz von Schauspieler und Zuschauer im gleichen Individuum. Dies ist das Subjektive Theater. 7. Wenn Menschen sich vorübergehend darauf beschränken, ein Objekt, eine Person oder einen Raum zu beobachten, und dabei ihre Handlungsfähigkeit und —notwendigkeit ausser Kraft setzen, wird ihre Energie und ihr Handlungswunsch auf diesen Raum, diese Person oder dieses Objekt übertragen, was einen Raum innerhalb eines Raumes kreiert: ein Ästhetischer Raum. Dies ist das Objektive Theater. 8. Alle Menschen benutzen, in ihrem täglichen Leben, die selbe Sprache, die Schauspieler auf der Bühne benutzen: ihre Stimmen, ihre Körper, ihre Bewegungen und ihre Ausdrucksweisen; sie übersetzen ihre Emotionen und Wünsche in die Theatralische Sprache. 10. Die Unterdrückten sind diejenigen Einzelpersonen oder Gruppen, denen entweder sozial, kulturell, politisch, wirtschaftlich. wegen ihrer Hautfarbe, sexuell oder sonst in irgendeiner Weise ihr Recht auf Dialog vorenthalten wird, oder in irgendeiner Weise in der Umsetzung dieses Rechts beeinträchtigt sind. 11. Dialog wird definiert als der freie Austausch mit anderen, sowohl von Personen als auch von Gruppen; als gleichberechtigtes Teilhaben an der menschlichen Gesellschaft und als das aktive und passive Respektieren von Unterschieden. 12. Das Theater der Unterdrückten basiert auf dem Prinzip, dass jede menschliche Beziehung dialogischer Natur sein sollte: zwischen Männern und Frauen, zwischen Rassen, Familien, Gruppen und Nationen sollte der Dialog die Überhand haben. In der Realität tendieren alle Dialogue dazu, sich in Monologe zu verwandeln, was zur Beziehung Unterdrücker — Unterdrückten führt. Diese Realität anerkennend, ist das Hauptprinzip des Theater der Unterdrückten die Wiederherstellung des Dialogs unter den Menschen. Grundsätze und Ziele 14. Das Theater der Unterdrückten versucht Menschen zu aktivieren in einem humanistischen Bestreben, dass durch seinen Namen selbst ausgedrückt wird: Theater der, von und für die Unterdrückten. Ein System, das den Menschen die Handlung innerhalb der Fiktion des Theaters ermöglicht, um damit Protagonisten, d.h. handelnde Subjekte, ihrer eigenen Leben zu werden. 15. Das Theater der Unterdrückten ist weder eine Ideologie, noch eine politische Partei, weder dogmatisch noch zwingend, und achtet alle Kulturen. Es ist eine Methode der Analyse und ein Mittel dazu, glücklichere Gesellschaften entstehen zu lassen. Auf Grund seines humanistischen und demokratischen Charakters wird es in aller Welt intensiv eingesetzt, in allen Bereichen sozialer Betätigung, wie: Bildung, Kultur, Kunst, Politik, Sozialarbeit, Psychotherapie, Alfabetisierungsprogrammen und Gesundheitsförderung. In der Anlage zu dieser Grundsatzerklärung ist eine Zahl von Beispielprojekten aufgelistet, die der Erläuterung seiner Natur und des Ausmasses seiner Anwendung dienen. 16. Das Theater der Unterdrückten wird derzeit in etwa der Hälfte aller Länder der Welt, aufgelistet in der Anlage, angewendet, als Instrument für die Erforschung des Selbst und des Anderen, zur Klärung und als Ausdrucksmittel unserer Wünsche; als Instrument für die Veränderung von Umständen, die Unwohlsein und Schmerz verursachen, und für die Förderung von Umständen die Frieden bringen; für das Respektieren von Unterschieden zwischen Individuen und Gruppen und für das Einbeziehen aller Menschen in den Dialog; und schliesslich als Instrument für das Erreichen wirtschaftlicher und sozialer Gerechtigkeit, die die Grundlage wahrhaftiger Demokratie ist. 18. Die ITO erreicht dies, indem sie die Praktiker des Theater der Unterdrückten durch ein weltweites Netzwerk verbindet, und damit den Austausch und die methodische Entwicklung unterstützt; indem sie die Ausbildung und Multiplizierung der bestehenden Techniken fördert; indem sie Projekte auf Weltebene konzipiert; indem sie die Gründung lokaler Zentren für Theater der Unterdrückten (CTO’s) stimuliert; indem sie die Bedingungen für die Arbeit der CTO’s und der Praktiker fórdert und herstellt, und indem sie einen internationalen Treffpunkt im Internet kreiert. 19. Die ITO ist vom gleichen humanistischen und demokratischen Charakter wie ihre Grundsätze; sie wird jeden Beitrag derer, die mit dieser Grundsatzerklärung arbeiten, integrieren. 20. Die ITO geht davon aus, dass sich jeder, der die verschiedenen Techniken des Theaters der Unterdrückten anwendet, dieser Grundsatzerklärung anschliesst. |