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Legislatives Theaterprojekt: Wünsche der SchülerInnen und Reaktionen PDF Drucken E-Mail

 

WÜNSCHE DER SCHÜLERINNEN

…und Reaktionen darauf

 

Im Zuge des an der HS 1 Gratwein durchgeführten Legislativen Theaterprojekts wurde ermittelt, wie SchülerInnen sich die Schule wünschen. Daraus ergaben sich folgende Wünsche und Reaktionen darauf.

WÜNSCHE der SchülerInnen

  • im Klassenzimmer soll sich ein Spiegel befinden, weil besonders Mädchen, aber auch die Burschen einen Blick hineinwerfen wollen
  • die Jugendlichen wünschen sich mehr Pflanzen im Schulhaus
  • die WC´s haben weder Fenster noch Lüftung, außerdem sind die Spülungen teilweise nicht mehr ordentlich funktionstüchtig
  • die Klassenzimmer sollten wieder ausgemalt und wenn möglich auch farblich gestaltet werden
  • es wäre schön, wenn es in der Schule ein Hallenbad gäbe
  • der Unterricht sollte „lustiger“ gestaltet werden
  • eine Posterfläche im Klassenzimmer wird gewünscht
  • die SchülerInnen möchten auch in der 5-Minuten-Pause überall hingehen dürfen
  • ein zusätzlicher Getränkeautomat wäre praktisch, damit Wartezeiten verringert werden
  • der Verkauf am Buffet sollte öfter stattfinden und die Ware sollte zu günstigeren Preisen verkauft werden
  • es sollte eine kleine Sofaecke im Klassenzimmer geben

 Bei der Abschlussveranstaltung am 01. Dezember 2008 wurden die Anliegen der SchülerInnen mit Bezirksschulinspektorin RRn Edith John, Direktorin OSR Renate Schellander und dem Gemeinderat Franz Gobald diskutiert. Auch die Eltern und MitschülerInnen sowie Geschwister aus dem Publikum beteiligten sich an der Suche nach Möglichkeiten zur gemeinsamen Annäherung an die Wünsche.

 

 

REAKTIONEN

 

  • Spiegel könnten angebracht werden, weil deren Anschaffung nicht sehr kostenintensiv wäre (Schellander / John)
  • Es gibt einen Gärtner in Gratwein, der sehr oft Pflanzen für die Öffentlichkeit spendet; vielleicht ist er bereit, der Schule einige Pflanzen zur Verfügung zu stellen – hier könnte sicher von Seiten der Gemeinde angefragt werden (Gobald)
  • Pflanzen könnten von den Eltern mitgegeben und von den Kindern während der Ferien wieder mit nach Hause genommen werden, sodass für deren Pflege während der unterrichtsfreien Zeit gesorgt ist; zudem könnten die Kinder selbst Verantwortung für die Pflanzen übernehmen (John / eine Mutter)
  • Im Zuge der anstehenden Innensanierung des Schulgebäudes wird die Sanierung der WC-Anlagen berücksichtigt werden (Schellander)
  • Die Klassenzimmer könnten von den Kindern selbst farblich gestaltet werden (John)
  • Es könnten lustige Spiele am Ende der Unterrichtsstunde gemacht werden, wie beispielsweise „Activity“ oder „Potz 1000“ (Schülerinnen)
  • An LehrerInnen und Eltern: Es könnten Geschichten oder eigene Erlebnisse erzählt werden (John)
  • Anstatt Getränke vom Getränkeautomaten zu kaufen könnte auch ein Wasserkocher im Klassenzimmer installiert werden; wenn die SchülerInnen abwechselnd Teebeutel mitbringen und ihre eigene Tasse in der Klasse aufbewahren, würde auf diese Weise mehr Wasser getrunken (eine Mutter)
  • Die Kinder der Schule könnten sich am Jausenverkauf beteiligen und vielleicht den Verkauf von Äpfeln übernehmen, die im Korb durch die Gänge getragen werden (zwei Schülerinnen)

 

Mit einer Fülle an Anregungen sowie motivierenden Eindrücken, die gewonnen wurden und in dieser dialogischen Atmosphäre wurde die Abschlussveranstaltung geschlossen. Viele Eltern waren beeindruckt von der Mitarbeit ihrer Kinder am Projekt. Die VertreterInnen der Schulbehörde, des Individualisierungsateliers, des Elternvereins und der Gemeinde brachten ihre Begeisterung über den Mut der SchülerInnen zum Ausdruck und waren beseelt von deren Engagement.

 

 

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REFLEXIONEN

…und weiterführende Fragen zum Projekt

 

 

  • Theaterspielen mit den SchülerInnen:
    • Wenn sie die Möglichkeit haben, ihrer Phantasie freien Lauf zu lassen, geben sie sehr schnell Einblick in das, was sie beschäftigt und welche Themen bei ihnen auftauchen.
    • Mit ein bisschen lästig sein, gelingt es auch, die Burschen dazu zu ermutigen, doch Theater zu spielen und eine Szene zu entwickeln. Danach waren sie recht begeistert darüber, dass sie es doch in Angriff genommen haben und dass es ihnen Spaß machte.
    • Vor allem die Mädchen sprudelten nur so von Ideen. Das war einerseits toll, gleichzeitig auch eine Herausforderung, sie in Bahnen zu lenken und sie zu ermutigen, sich gegenseitig zuzuhören.
    • Jedes mal nach dem Workshop fuhr das Team mit vielen Gedanken im Kopf weg: Wie soll es weitergehen? Sollen wir weitermachen wie geplant, oder müssen wir Veränderungen vornehmen?
    • Besser wären (statt drei) jeweils vier Unterrichtseinheiten pro Workshop.

 

  • Zur Befragung der SchülerInnen:
    • SchülerInnen befragten SchülerInnen in Einzelinterviews: EineR fragt, der/die andere schreibt. Die jeweiligen SchülerInnen wurden dazu aus der Klasse geholt, um einen geschützten Rahmen zu gewährleisten und eine gegenseitige Beeinflussung zu verhindern. Das erwies sich als sinnvoll.

 

  • Die Anliegen der SchülerInnen:
    • waren – vielleicht mit Ausnahme des Wunsches nach einem Hallenbad - sehr pragmatisch und nahe liegend.
    • Beim Formulieren der Wünsche (Erarbeitung und Präsentation) war hohe Präsenz und Energie der SchülerInnen spürbar.
    • Es zeigt uns: wenn SchülerInnen ihren eigenen Lebensraum gestalten können, ist hohe Beteiligung erkennbar. Das SOG. THEATER Team war begeistert von der Leistung der 13-Jährigen.

 

  • Die Abschlussveranstaltung:
    • Bei der Abschlussveranstaltung herrschte eine gute Atmosphäre, es war ein offenes Gesprächsklima und ein dialogisches Verhalten seitens der anwesenden Eltern, der LehrererInnen und SchülerInnen erlebbar. Die Wünsche wurden grundsätzlich positiv aufgenommen und eigene Ideen aus dem Publikum zur Lösung wurden eingebracht.
    • Die anwesende Öffentlichkeit verlieh dem Projekt ein zusätzliches Maß an Wichtigkeit.

 

  • Sonstige Erkenntnisse:
    • Das Arbeiten im Team: Ein 3er-Team vom SOG. THEATER (eine Frau und ein Mann als Theaterpädagoge/in und eine evaluierende Begleitung) und eine gute Begleitung vor Ort (der Klassenvorstand) haben sich als sehr fruchtbar erwiesen.
    • Es gab im Laufe dieses Projektjahres bei den SchülerInnen, aber auch beim Projektteam Tiefen zu bewältigen. Die schwierigste Phase war das gemeinsame Erarbeiten, Proben und Festigen der Szenen: Der Übergang von der Lust am Entwickeln von Szenen, Figuren und so weiter - wo die SchülerInnen doch gerade diese Lust entwickelt hatten – zum Hinführen auf ein zielorientiertes Arbeiten. Das Ziel war, eine Szene herauszuarbeiten, wo es einen Konflikt gibt, der gipfelt, und dann bei der Aufführung zuzulassen, dass sie von MitschülerInnen verändert wird. Diese Phase ist immer für alle Beteiligten recht anstrengend, weil es eine hohe Konzentration und Geduld erfordert und diese Phase einer echten Arbeitsphase (im Gegensatz zur Spielphase) gleichkommt. 
    • Das Projekt wurde insgesamt von allen Mitwirkenden sehr gut bewertet: Von den SchülerInnen, der Schule / Schulaufsicht und den Eltern.

 

  • Fragestellungen zum Weiterdenken:
    • Zur Mitspielphase beim Forumtheater: Es zeigte sich eine große Spiellust der Zu-SchauspielerInnen. Es gab neben Lösungsideen für die aufgezeigten Probleme viele Einstiege um den Konflikt noch zu verschärfen. Was hieße es, dem nachzugehen? > In der ersten Phase dem Publikum die Möglichkeit zu bieten, den Konflikt noch zu verstärken. Und erst im zweiten Schritt, Lösungen zu zeigen?
    • Wo schauen WIR genauer hin und verstärken ein aufkommendes Thema und wo nicht?
    • Wie nachhaltig ist das Projekt? Was wird an der Schule umgesetzt?  > Eine Nachfolgeveranstaltung ein halbes Jahr später mit der Schule vereinbaren.
    • Übertragbarkeit auf andere Schulen?
    • Warum wird das Befragen der SchülerInnen nicht öfter gemacht? Gibt es zu viele Befürchtungen, dass die Wünsche ausufern?

 

 

STATEMENTS ZUM PROJEKT

 

 

Franz Gobald, Gemeinderat

„Man sieht, die Jugend setzt sich mit ihrem „Arbeitsplatz“ auseinander! Die jungen Leute haben gute Ideen und sie haben andere Ideen als wir älteren Leute. Sie sind kreativ und haben auch Lust dazu, kreativ zu sein. Durch die Arbeit in der Gruppe haben sie Hemmungen verloren, sodass sie ihre Standpunkte auch vertreten und ihre Wünsche äußern können. Ihre Wünsche betreffen großteils Dinge, die sich durch ihre Eigeninitiative realisieren lassen. Es sind keine unrealistischen Wünsche dabei. Und die dringenden Dinge, die von der Gemeinde gemacht werden müssen, werde ich mit dem Bürgermeister besprechen.“

 

 

Rosemarie Jauk, Obfrau des Elternvereins

Anfangs konnte ich mir nicht vorstellen, was ein Forumtheater sein könnte. Im Laufe der Präsentation entstand dann auch für mich ein gut vorstellbares Bild. Theaterszenen zu erarbeiten ist für die Schülerinnen ein toller Ansatz zur Lösung vieler Problemstellungen in unserer schnelllebigen Zeit. Diese Szenen am Höhepunkt zu beenden und unter Einbeziehung des Publikums dem Geschehen unterschiedliche Ausgänge zu geben, fand ich sehr spannend.

Ebenso waren die erarbeiteten Wünsche der SchülerInnen der Schule sehr interessant für mich. Ein Wunsch hat auch mich als Elternvereinsobfrau sehr angesprochen, ich werde ihn auch weiterverfolgen und zur eventuellen Lösung meinen Beitrag leisten. Es ist schön zu sehen, wie gut bei uns Schulpartnerschaft gelebt wird. Ein großes Lob an die SchülerInnen und Frau Schelch für die gelungene Präsentation!

 

 

RRn Edith John, Bezirksschulinspektorin

Mir gefällt das Projekt sehr gut, weil die Impulsivität gefördert wird, weil die Flexibilität gefördert wird, weil die Kinder lernen, einfach für sich selber dazustehen und sich zu artikulieren. Das „Wunschprogramm“ der SchülerInnen beeindruckt mich sehr - zeigt es doch, dass die Wünsche überwiegend damit zu tun haben, den Wohlfühlfaktor an ihrem Arbeitsplatz SCHULE zu steigern, um damit erhöhte Identifikation mit ihrem Arbeitsumfeld zu erreichen. - Wo ich mich wohl fühle, da bin ich gerne, da arbeite ich gerne. Vieles können sich die SchülerInnen auch selbst erfüllen, was wiederum der Identifikation dienlich ist.

 

 

E.P., Mutter einer Schülerin

„Ich konnte mir anfangs sehr wenig darunter vorstellen, was dieses Projekt beinhaltet. Durch die Abschlusspräsentation habe ich nun eine andere Perspektive. Ich hätte zwar gerne gesehen, wie andere Personen im Forumtheater einsteigen, habe mich aber selber auch nicht getraut. Ich bewundere andere Menschen, die das können und wenn die Kinder bei den Aufführungen das so gemacht haben, war das bestimmt toll! Da sind die Kinder doch etwas spontaner als die Erwachsenen.

Die Wünsche, welche die Kinder bei der Abschlusspräsentation geäußert haben, sind toll. Wir werden es weiterverfolgen, ob sie umgesetzt werden können.“

 

 

Bärbel Schelch, Klassenlehrerin der teilnehmenden SchülerInnen

„Meine SchülerInnen haben großen Spaß an der Arbeit gehabt und waren wirklich kreativ. Auch das Statuentheater ist mir in Erinnerung geblieben- es hat mich erstaunt, welche Themen sich die SchülerInnen gewählt haben und wie sie diese Themen dargestellt haben. Die Zusammenarbeit aller SchülerInnen klappt bei diesen Spielen sehr gut. Auch SchülerInnen, die sonst nicht so gut in die Gruppe integriert sind, werden wie selbstverständlich in die einzelnen Szenen eingebaut und bekommen ihren Platz und fühlen sich in der Gruppe auch wohl.

 

 

OSR Renate Schellander, Direktorin der HS1 Gratwein

„Das Umsetzen der Demokratiebestrebungen kann mit dem Legislativen Theater sehr gut durchgeführt werden. Vor allem gefällt mir, wie die Schülerinnen und Schüler agieren: Sie haben auf diesem Weg sehr großes Selbstbewusstsein in Verbindung mit Freude erreichen können und sie haben keine Scheu gehabt, vor anderen Leuten aufzutreten.

Eine Lehrkraft wie Frau Schelch, die mit diesem „inneren Feuer“ und mit dieser Bereitschaft, sich mit Neuem auseinanderzusetzen, arbeitet, gehört jedoch unbedingt dazu, sonst kann so ein Projekt wohl kaum so gelingen.“

 

 

Dr. Maria Winter, Schul- und Unterrichtsentwicklerin, Projektleiterin Individualisierungs-Atelier

„Ich habe es sehr genossen, die Kinder in Aktion zu sehen und wahrzunehmen, wie ernsthaft sie sich mit der Thematik auseinandergesetzt haben. Ich glaube auch, dass die Präsentation vor LehrerInnen, Eltern und GemeindevertreterInnen wichtig ist, weil dann ein anderer Blick auf die jungen Menschen geworfen wird und sie in ihrer Ganzheitlichkeit und mit ihren Anliegen wahrgenommen werden. Die jungen Menschen können erfahren, dass ihre Probleme gelöst werden können und sie ihre Wünsche ansprechen können. Es geht darum, sich für etwas einzusetzen, sich miteinander auszutauschen und in einen Dialog zu treten in der Schulpartnerschaft zwischen Eltern, LehrerInnen und SchülerInnen. Ich glaube, das gibt Mut und Selbstbewusstsein für später. Sie fühlen sich ernst genommen, bekommen Selbstvertrauen und lernen sich für eigene Anliegen und Anliegen anderer zu engagieren.“

 

 

 
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