Seit 2007 trägt das Forumtheaterstück „Kein Kies zumKurven Kratz en“ auf kreative Weise dazu bei, Vorschläge zu entwickeln, um (neuer) Armut entgegen zu wirken und zu vermeiden. Dabei wird die Kraft des interaktiven Forumtheaters genutzt, um emotionale Beteiligung sowie die lebensnahe und kreative Auseinandersetzung mit dem Thema „Armut” zu aktivieren und auf Entscheidungs- und VerantwortungsträgerInnen einzuwirken. Über einen künstlerischen und dialogischen Prozess werden Lösungsansätze – unter Einbeziehung von unmittelbar Betroffenen – entwickelt. Im Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung wird das Stück unter Mitwirkung von armutserfahrenen Menschen im Frühjahr 2010 neuadaptiert und aktualisiert. Von Mai bis November 2010 wird „Kein Kies zum Kurven Kratzen_RELOADED“ in allen Bundesländern unter Beteiligung von Stakeholdern aus verschiedenen Bereichen, armutserfahrenen Frauen und Männern sowie der breiten Öffentlichkeit in allen Bundesländern aufgeführt. Dabei kann sich das Publikum am Geschehen unmittelbar beteiligen und an der Entwicklung von Ideen und Vorschlägen zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung mitwirken. Die bei den Forumtheateraufführungen ausprobierten und geäußerten Ideen werden dokumentiert und bilden die Grundlage für die Vorschläge und Forderungen an die Politik („Legislatives Theater”). Nach der Veranstaltungstour durch ganz Österreich werden bei einer abschließenden Veranstaltung im Parlament Ende 2010 die Ergebnisse des Projekts mit den politischen EntscheidungsträgerInnen diskutiert. Theater Mit – Wirkung Seit dem Start des Projekts im Frühjahr 2007 gab es mehr als 25 Aufführungen – vor allem in Graz und in anderen steirischen Orten – mit mehr als 200 Einstiegen und über 300 politischen Vorschlägen durch das Publikum. Einige der Vorschläge haben Eingang in das Grazer Aktionsprogramm gegen Armut gefunden, einer Aufführung im Steiermärkischen Landtag folgten die Abschaffung der Regresspflicht bei der Sozialhilfe und die Einsetzung eines eigenen Unterausschusses. Das Stück Die Familie Schmölzer lebt gut. Der Vater, Herbert, arbeitet als Facharbeiter, die Mutter, Elfriede, ist Hausfrau und Nebenerwerbs-Schneiderin. Da ist auch ein Kredit für eine neue Wohnungseinrichtung kein Problem. Bis Herbert seinen Job verliert und aufgrund seiner Krankheit nicht mehr in seinem erlernten und lange praktizierten Berufsfeld arbeiten kann. Die Familie stürzt in einen finanziellen Strudel, aus dem sie nicht mehr herauskommt. Die Familie zerbricht. Das AMS kann der nun alleinstehenden Elfriede nicht weiter helfen, auch Herbert findet keinen neuen Job. Und dann stellt auch noch die Bank den Kredit fällig ... Ablauf der Forumtheaterveranstaltungen. Eine Forumtheaterveranstaltung dauert zwischen 1,5 und 2,5 Stunden und wird von einem Mitglied von InterACT moderiert. Nach einer kurzen Vorstellung des Projekts sowie einer gemeinsamen Einstimmung wird das gesamte Stück gezeigt, das in ein unbefriedigendes und ungelöstes Ende mündet. Nach einer kurzen Beratungsphase wird das Publikum dazu eingeladen, sich am Spielgeschehen zu beteiligen und alternative Handlungsideen auszuprobieren. Die zentrale Aufgabe der Moderation ist es, durch das Stellen von Fragen die Diskussion lebendig zu halten, Ideen und Vorschläge zu sammeln und das Publikum zum Mitspielen zu bewegen: Was würden Sie an Stelle jener Rollen, für die die Situation schlecht ausgeht, bzw. die mit ihren Anliegen nicht durchkommen, anders machen? Wie könnte die Geschichte besser ausgehen? Am Schluss der Aufführungen kommt es zu einem Gespräch zwischen den DarstellerInnen und dem Publikum – Vorschläge und Forderungen an die Politik werden formuliert! |